Internierungslager

1945-48 Internierung zur „Entnazifizierung“
Civilian Internment Camp No. 6

Nach der Befreiung des Stalag VIIA am 29. April 1945 durch amerikanische Truppen und dem Abtransport der Kriegsgefangenen diente das Stalag-Gelände vom 8. Juni 1945 bis zum 22. April 1948 als „Civilian Internment Camp No. 6“, das Internierungslager Moosburg. In diesem Internierungslager für Zivilisten hielten die Amerikaner und ab Herbst 1946 das Bayerische Staatsministerium für Sonderaufgaben Funktionäre des NS-Regimes sowie Personen fest, die der Zusammenarbeit mit der Nazi-Herrschaft oder als Kriegsverbrecher verdächtigt wurden. Diese Personen wurden zunächst im Rahmen eines sogenannten „automatic arrest“ interniert, bis ihr Fall von den Spruchkammern verhandelt werden konnte.

Ausgangspunkt für die Errichtung der Internierungslager war die Entnazifizierungspolitik der Amerikaner. Sie hatten neben Demokratisierung und Demilitarisierung die „Denazifizierung“ Deutschlands als Kriegsziel ausgerufen. Den Amerikanern ging es um eine völlige Ausschaltung von Nationalsozialismus und Militarismus. Deswegen sollten Funktionäre des nationalsozialistischen Deutschland entmachtet und von den führenden Positionen in Staat und Gesellschaft verdrängt werden. Die Entnazifizierung stellte dann auch für die amerikanische Militärregierung einen Grundpfeiler ihrer Besatzungspolitik dar und hatte hier eine deutlich größere Bedeutung als in der britischen oder französischen Zone. Außerdem verfolgten die amerikanischen Streitkräfte das Ziel, Kriegsverbrecher zu verhaften.

Ab Frühjahr 1948 begann das Sonderministerium nach und nach, Internierungslager zu schließen, als erstes Moosburg. Zum 1. April 1948 wurde das Lager als eigenständige Einheit aufgelöst.

Lesetipp: Nach umfangreichen Recherchen, u.a. im Nationalarchiv in Washington, ist Mitte 2021 eine ausführliche Publikation zum Internierungslager erschienen:
Internment Camp No 6 – Ein Internierungslager in der US-Zone 1945-1948